Montag, 20. Februar 2017

"Sine dubiis" - wir gehen mit Papst Franziskus und der sinnlich erfahrbare Gott ohne Papst Franzisksus



„Sine dubiis“ und der sinnlich erfahrbare Gott

Auf dem Internetforum für katholische Lebensart („TheCathwalk“ https://thecathwalk.net/2017/02/18/sinedubiis-wir-gehen-mit-papst-franziskus/ ) und dem Blog Davis Bergers („Philosophia perennis“  https://philosophia-perennis.com/2017/02/20/news-der-postkatholische-papst/amp/ ) geht der Pingpongball in Sachen Franziskus, Papsttum und der Frage, was nun die katholgetränkte und weihrauchschwangere Eigentlichkeitstradition ist, heftig weiter.

Monatelang musste man rund um die Familiensynode 2014/15 aufseiten der Konservativen, aber in der Kirche Verbliebenen, die Prophezeiung vernehmen, bestimmt werde aber nun ein Papst endlich mal so richtig häretisch werden und das Dogma der Dogmen (nach dem allerheiligsten Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes versteht sich), nämlich die Unauflöslichkeit der Ehe auflösen. Ich gebe zu, dass ich anfangs unter dem Einfluss dieses Geheuls stand und selber so dachte.

Inzwischen habe ich viel gelesen und viel gehört, viele Katholiken erlebt und mir die illustren Zeugnisse des 19. Jh angetan, Zeugnisse schlimmster Verlogenheit, Intriganz, Gefühllosigkeit, Härte, Unbarmherzigkeit, sexueller Entgleisungen und brutalen Machtmissbrauchs gegen alles, was sich weigerte, diese ultramontan—infallibilistischen, superfromm—wundersüchtigen Pillen zu schlucken, die nicht nur Pius IX. sondern auch eine ausgesprochen tätige Truppen fanatischer Vasallen, damals vor allem im Jesuitenorden zu finden und unter den Neuscholastikern, unters Kirchenvolk wie eine Medizin gegen die bösen Neuerer, „Freimaurer“ und „Modernisten“ brachten.
Die Wahrheit ist, dass die größten Neuerer diese Fraktionsgenossen selber waren. Ihre Erfindungen sind so verstiegen und so stark propagiert worden, dass viele Menschen nach zwei Generationen nicht mehr wussten, dass das alles gar nicht zur Tradition der Kirche gehört. Plötzlich gab es ein „ordentliches Lehramt“ und ein „außerordentliches Lehramt, „Kathedralentscheidungen“, wobei bis heute unklar ist, was eigentlich darunter fällt, es gab seit dem Beginn des 19. Jh ein explosionsartiges Anwachsen von Erscheinungen, Eingebungen und Visionen, und wundersamerweise bestätigten sie immer den Papst und nie dessen Mahner. Dass es so etwas nie zuvor in der Kirche gegeben hatte, war den meisten gar nicht klar. Alle Naslang erschien die Gottesmutter und tut das bis heute, als ob das zum Bestand des überlieferten Glaubens gehörte, und in vielen Orten pilgert der konservative Tross des wahren Glaubens zu ortseigenen Seherinnen, die natürlich alle „papsttreu“ und „marianisch“ sind, wobei ein echter „Heiliger Vater“ ultramontan, infallibilistisch, autokratisch und irgendwie „pianisch“ sein muss. Ich bin außerstande, dieses Treiben mit dem, was ich im Neuen Testament lese, zusammenzubringen. Es ist, als wären das zwei völlig verschiedene Religionen.
Das Ergebnis der Kampagnen, Indizierungsverfahren, Hetzorgien, Gehirnwäschen und Erpressungsfeldzüge, die ins Vaticanum I mündeten und aus ihm umso stärker wieder ausflossen, war die geradezu magische Fetischisierung des Papstes, ein dazu instrumentalisierter Marianismus, die erwähnte explodierende Erscheinungs— und Wundersucht und eine Unterwerfungsmentalität, die dem rabiaten Islam alle Ehre hätte machen können und ihn manchmal sogar toppt.
Anti—Freimaurerhetze, Judenhass, Royalismus um jeden Preis, Frauen—Bashing, Führerkult, die Förderung des Faschismus, die Formalisierung und Erstickung des lebendigen Glaubens, die endgültige Total—Sakramentalisierung und die Aushöhlung des Apostolats der Laien waren das finstere Ergebnis dieses Ungeistes. Der Papst wurde zum Gott auf Erden, und viele vergaßen darüber den wirklichen und wahren Gott. Man war der Form halber fromm und tat viele Kniebeugen und Kreuzzeichen bei der Eucharistiefeier, und doch nahm man den Herrn, der doch demütig, gewaltlos und der „Letzte“ blieb, weniger in sich auf als die Ideologie eines hierokratischen Machtanspruchs des Papsttums auf die Seelen. Ja, man identifizierte den Anspruch Gottes auf uns Menschen, ohne mehr eine Differenzierung vorzunehmen, mit dem Anspruch des Papstes und der Hierarchie auf die Seelen. Alsbald äffte die Welt solchen Absolutismus in diversen Totalitarismen nach. Ohne Vaticanum I ist wohl weder der Faschismus noch der sozialistische Totalitarismus denkbar. Der berühmte Spruch von der Partei, die immer recht hat, vom Chef, der immer recht hat, hatte sein Vorbild im Papst, der immer recht hatte, einfach deswegen, weil er recht hatte.

Nun haben wir erlebt, dass aber Päpste kamen, die den übersteigert—autoritären Wahnsinn des 19. Jh oder noch Pius X. im 20. Jh nicht weiterführen wollten. Das begann gleich nach Pius X. mit Benedikt XV., der, samt den Kardinälen Rampolla und Gasparri, prompt als heimlicher in die Kirche eingeschleuster Freimaurer gehandelt wurde. Beweise blieb man für solche Unterstellungen grundsätzlich schuldig. Aber bis heute wird der Unsinn weitergetragen und dem Traditionsnachwuchs eingeträufelt wie ein Gift, das nicht mehr neutralisiert werden kann. Den total auf diese alten Gespenster und ihre Ideologien eingeschworenen Klerikern und Gläubigen stockte der Atem: das konnte ja dann nur der Antichrist sein, wenn ein Papst von diesem Gift nichts hielt oder sich irgendwie öffnete für das total—tabuisierte und dämonisierte methodische Denken der Gegenwart…
Auf den Gedanken, dass die, die sie zuvor überhaupt durch ihren a—katholischen Anspruch in solche Gewissensnöte gebracht hatten, vielleicht viel eher der Antichrist oder schlicht falsche Lehrer gewesen sein könnten, kamen all diese braven Leute bis heute nicht.
Ein kurzer Streifzug durch die Kirchen— und Theologiegeschichte hätte ihnen zeigen müssen, dass dem Papsttum nicht das zukommen kann, was das 19. Jh behauptet hatte. Stimmte das Papstbild des Vaticanum I, müsste man sagen, dass die Kirche erst in der Neuzeit gegründet wurde und mit der alten Kirche nichts zu tun hatte, deren Papstgeschichte über lange Zeiten eine einzige Katastrophen—, Macht— und Intrigengeschichte war. Ganz zu schweigen davon, dass man eine Verbindung zu ihrem Gründer und Herrn ohnehin nur noch schwer zu erkennen vermochte, wenn man sich dieses hochmütige und eitle, gewalttätige Hierarchengeklüngel ansah, das vor allem erst einmal sich selbst zu verherrlichen gedachte, bevor es auch nur einmal den Namen Jesu aussprach.

Und nun haben wir nach dem Wahn, Benedikt XVI. habe noch einmal den „alten Glanz“ des 19. Jh und seiner Träume von der „Papstgeschichte“ zurückgebracht, diesen Franziskus, diese Quasselstrippe, diesen relaxten und temperamentvollen Argentinier mit italienischen Wurzeln, dem all dieser Popanz von Anfang an sichtlich auf den Keks ging. Zugegeben — er befremdete uns erst mal, uns, die wir gewohnt sind, diese abendländischen Geistesmenschen in ihren Zobeln und roten Schühchen zu sehen, als hinge davon die ewige Seligkeit ab. Und ein Papst ohne Tiara — o weh: der Glaube bricht zusammen… dabei ist die Tiara kein Glaubenszeichen, sondern ein weltliches Herrschaftssymbol — nichts weiter.
Benedikt hatte so oft gesagt, dass er sich dabei nicht wohlfühle. Er wollte kein „Heiliger Vater“ sein, weil nur Gott unser Vater sei und Jesus das doch ausdrücklich gesagt hatte — aber das überhörten unsere Konservativen geflissentlich. Was juckt sie, was Jesus gesagt hat, wenn es in der Tradition so schön heimelig ist und so kuschelig und vertraut. Dass auch Benedikt (nicht anders als Franziskus) bis zuletzt davon sprach, dass viele Ehen wohl keine sakramentalen Ehen seien, weil die erforderliche Intention dazu gefehlt habe — die aufgewühlte Menge der Konservativen hörte davon nichts, obwohl er es laut sagte. Auch sprach er von „Entweltlichung“ und Rückzug, von der Andersheit des wahren Gottes, der nicht mit der Macht dieser Welt zusammenpasse — es verhallte im Wind.
Während wir wehklagten, weil Benedikt sich zurückgezogen hat, und die buntesten Verschwörungstheorien sich um sein Verschwinden rankten, während alte Freimaurer—Schundromane und Gerüchte aus den Vatikankellern fröhliche Urständ feierten, übersahen wir, dass Benedikt mit seinem Rücktritt auf seine Weise ebenfalls das Papsttum total—entzauberte.

Und nun starteten nach vielem Lamento der Konservativen ebenfalls Konservative eine Kampagne für Franziskus, nachdem der Weihbischof Schneider mit dem heroischen Namen Athanasius aus Kasachstan und Kardinal Burke langatmige Belehrungen über die Ehe herausgegeben hatten und Burke mit drei anderen zusammen einige „Dubia“ an dem nachsynodalen Schreiben „Amoris laetitia“ an Franziskus verfasst hatten, die der einfach ignoriert hatte etc. etc.
„Sine dubia“ nennen sie die Kampagne und werben für Unterschriften. Das falsche Latein wurde dann schließlich Gott sei Dank in korrektes Latein korrigiert: „Sine dubiis“. Was ist der Inhalt dieser Kampagne pro Franzisco? Eigentlich vor allem dies, nämlich endlich endlich mit dem Franziskus—Bashing aufzuhören unter den Konservativen und endlich wieder zum Papst zu stehen, weil er doch der Papst ist und der Fels, und ein richtiger Katholik schießlich romtreu sein muss und papstreu, wo der Papst doch mit quasi—magischer Unfehlbarkeit aufgeladen ist und gerade Franziskus mit seiner Barmherzigkeit doch eigentlich ein solches Gottesgeschenk ist.

Nun muss ich zugeben, wie ich es ja auch im Kommentarbereich auf „TheCathwalk“ darlegte, dass ich in der fraglichen Sache „Amoris laetitia“ tatsächlich „pro—francisco“ zustimme, nicht aber in ihrer Begründung.
Franziskus hat sich nicht missverständlich ausgedrückt — wer das Schreiben „Amoris Laetitia“ gelesen hat, muss das zugeben. Er bekräftigt die objektive Dogmatik, will aber überhaupt erst einmal so etwas wie eine pastorale Praxis im Umgang mit einem zeitgenössischen Problem einiger Gläubiger entwickelt sehen. Wie ich schon schrieb, war die Kirche in früheren Zeiten mehr als lax, wenn es um die Ehemoral ging, vor allem bei den Hochgestellten. Jedes Museum zeigt uns das verbreitete Huren— und Ehebruchsleben unserer ach so christlichen Fürsten und leider auch oft Kleriker, und ich wüsste nicht, dass es deswegen Aufstände gegeben hätte. Jedenfalls nicht aufseiten der Hierarchie. Franziskus scheint die reale Eheproblematik vieler Katholiken ernstnehmen zu wollen, ohne die Betroffenen deshalb wie rohe Eier an beinharter Objektivität zu zerklopfen, die überdies ja so leicht nicht zu klären ist, eben weil viele Ehen nicht in der rechten Intention zustande gekommen sein dürften. Ihm steht vor Augen, dass nach so vielen Jahrhunderten der Entleerung des persönlichen Glaubens, nicht zuletzt durch die zu starke Formalisierung und den anschließenden Abfall in der Säkularisation und die Unglaubwürdigkeit des Klerus und seiner sexuellen Exzesse, die Gläubigen überhaupt erst wieder herangeführt werden müssen an so etwas wie einen persönlichen Glauben, ein Verständnis des Sakramentalen, das sie nicht nur als passive und unterworfene Empfänger, sondern auch als Spender eines Sakramentes erzieht, nämlich ganz zentral des Ehesakramentes, und ein Ergreifen ihres Apostolats aufgrund des Ergriffenseins, das ihnen auch die Hierarchie nicht diktieren kann.
All die Fragen, etwa die, ob das, was die Deutschen Bischöfe in ihrer unsäglichen Oberflächlichkeit aus „Amoris Laetitia“ machen, angemessen ist, stehen im Raum, aber die vier Dubia—Kardinäle haben den Papst angegriffen und nicht die oberflächlichen Bischöfe, und genau das verstehe ich nicht.

Dass die an Franziskus gerichteten „Dubia“ der vier Kardinäle zwar samtweich, devot, ja sogar papalistisch schleimig formuliert sind, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie inhaltlich unverschämt sind. Sie unterstellen nämlich, nach diesem nachsynodalen Schreiben stehe die überlieferte Lehre in Frage. Franziskus wird aufgefordert, mit Ja und Nein auf diese Fragen zu antworten. Die vier Männer führen sich auf wie Richter — und das als eigentliche Konservative, die doch eigentlich sonst immer die Papsttreue zum Ausweis des rechten Glaubens gemacht hatten. Und nota bene: angeblich darf doch den Papst niemand richten und wanken kann er doch angeblich auch nicht, weil er der Fels ist, auf dem die Kirche steht.

Ich gebe den Cathwalkern recht, gegen den Strich recht, denn es ist seltsam, plötzlich die Papsttreue aufzugeben mit all ihren autoritären und absolutistischen Implikationen, an denen man Generationen angeblich progressiver Kleriker zerdeppert hat, wenn man nur solange papsttreu bleibt, solange der Papst einer bestimmten Ideologie die Stange hält, als ob der Glaube eine Ideologie wäre. Aber die Cathwalker argumentieren überhaupt nicht in der Sache, sondern mit reinem Papstglauben. Und das kann ja wohl in einer ernsthaften Diskussion nicht sein.

Immerhin ist das Schisma der Traditionalisten und Sedisvakantisten ja eine logische Folge aus dem Papst—Popanz, den die Päpste des 19. und frühen 20. Jh aufgebaut haben. Ich finde, dass man diese Leute verstehen kann: ihr braver Schützengrabenglaube auf den windgegerbten „Felsen“ Pius IX. und X. kann gar nicht anders, als in Franziskus (und nicht nur ihm) ein Monster zu sehen… Dass freilich dieser Felsenglaube, der eher auf Menschen als auf Christus setzt, in sich ein uneingestandener und wohl auch unerkannter Glaubensabfall ist, ist diesen Menschen als notwendiger Gedanke durch drohende Denk—Tabus völlig ausgeredet worden, und wehe denen, die dieses Desaster zu verantworten haben. Dennoch: Traditionalisten, ihr seid aufgerufen, endlich selbst zu denken und endlich umfassend zu prüfen und Eure Vorurteile in Frage zu stellen! Informiert euch endlich umfassend und lest nicht nur die immer gleiche einseitige (Hetz—)Literatur der ultramontanen und neuscholastischen Fraktion!
Christus ist der Herr — nicht der Papst und nicht die hier nicht um ein Fiat gefragte Sekundantin Maria, die sich vermutlich windet im Himmel angesichts ihres Missbrauchs für diese irdischen papalistischen Machtzwecke!
Sagen wir es anders: Wer auf den Papst starrt und ihn mit Jesus identifiziert, der muss zwangsläufig so oder so irre werden am Glauben.
Es muss eine Nummer kleiner gehen mit dem Petrus, so wie im Neuen Testament: Ja, er ist der Erste und soll den Felsen repräsentieren, aber er ist weder Christus noch ontologisch dessen Stellvertreter. Er ist „vicarius“, und ein Vikar ist immer ein Schüler und Lehrling, nie der Meister!

Ob nun aber das Gegenschreiben des Herrn Maximilian Krah auf David Bergers Blog der Sache gerecht wird? Angenehm ist bei ihm, dass er wenigstens den unsachlichen Papalismus der Cathwalker ablehnt. Aber er sieht nicht, dass er auf der Basis seines offen zugegebenen Lefebvrismus den Papalismus aus logischen Gründen nicht ablehnen darf, denn die Pius—Ideologie des Erzbischofs Lefebvre ist ultramontan—infallibilistische Ideologie des 19. Jh minus Papst. Das ist in sich unsinnig. Man muss sich schon entscheiden. Die eigenmächtig—anmaßende Papst— und Konzilskritik des Msgr. Lefebvre hätten „anständige“ Ultramontane des 19. Jh nicht einmal mit der Beißzange angefasst! Mag auch Krah sich erzürnen über Franziskus Klimawandelgeschwätz und seine sentimentalen Gesten gegenüber echten oder vermeintlichen Flüchtlingen — all solchen Blödsinn taten Päpste seit mindestens 1000 Jahren. Wer es nicht glaubt, sollte halt mal ein wenig in die Geschichte eintauchen. Mir persönlich ist dabei das Gerede des F. noch tausendmal lieber als päpstliche Hexenbullen, Frauenbashing, Mätressenwirtschaft, Gegenpapsttum, Kriegshetze, Selbstbeweihräucherung, dumpfe Einmischung in die Naturwissenschaft und die Erlaubnis, fremde Völker auszurauben und alles, was sich bei drei nicht hat taufen lassen, auf den Sklavenmärkten zu verkaufen. Sorry, Brüder und Schwestern, aber man sollte mal die Kirche im Dorf lassen. Glaubensaufweichung gibt es nicht erst seit heute!

Zu dem Themenkomplex wäre natürlich sehr viel mehr zu sagen, als es hier möglich ist, und wer regelmäßig meine Texte liest, weiß ungefähr, worauf ich hinauswill. Ich plädiere eher für einen Weckruf in Richtung Kenntnisnahme der historischen Realität der Kirche!

Aber vollends irritiert hat mich dann bei Krah sein Schlusspassus mit dem unvermeidlichen Lefebvre—Sektenbekenntnis und der Satz

„Die Wiedergewinnung des Glaubens gelingt sicher – sicher! – nicht durch Aufweichung der Lehre. Sie gelingt nicht durch Enzykliken zum Klimawandel und auch nicht durch geschwätzige Interviews. Sie gelingt allein durch die Wiederherstellung des Kultes. Die Existenz Gottes muss im Kult sinnlich erlebbar werden.“

Aha… Gott „sinnlich erfahrbar“… meine Güte, ja, da haben wir es wieder — die Totalveräußerlichung des 19. Jh, den Glaubensabfall von rechts!

Gott sinnlich erfahrbar!

Wie war das: Wir leben hier im Glauben, nicht im Schauen? Wir erleben hier Gott sinnlich — ach ja, wo steht das? Wunder gefällig? Kleines Visiönchen? Ätherische Strahlen um den Kommunionkelch? Bluttränen aus den Augen der Holzmadonna? Wundersame Krankenheilungen? Bilokationen, seit dem 19. Jh hoch im Kurs, oder Stigmata, der Kirche der ersten 1000 Jahre völlig unbekannt?!
Das alles ist doch weit weg vom Glauben, wie er überliefert ist in der Schrift und bei den Vätern und den Mystikerinnen des Mittelalters!

Darum geht es also: um den sinnlich erfahrbaren Gott, und wenn wir den wieder hergezaubert haben durch den restaurierten „Kult“, dann, ja dann wird der aufgeweichte Glaube wieder „fest“? War der Glaube nicht aufgeweicht, als man ihn in einem kranken Papalismus erstarren ließ und total formalisierte und sakramentalisierte und die Laien entmündigte? Naja, da war er vielleicht eher verhärtet… Kann es nicht sein, dass nach Jahrzehnten dieser Gewaltkur der Versuch des Vaticanum II, hier einiges wieder zurechtzurücken, einfach zu spät kam? Wieso sollte blühender Glaube wegen dieses Konzils einfach zusammenbrechen? Das Vaticanum II hat einfach nur entlarvt, dass das Gebäude morsch und hohl geworden war, erstarrt in seinem Autoritäts— und Unterwerfungswahn. Und der Traditionalist, auch Herr Krah, schlägt den Boten, weil er die Botschaft nicht hören will. Der Bote aber war in diesem Fall das Vaticanum II.

Ob man nun letzteren Wahn ganz an sich selbst ohne weitere Bezugnahmen aktivieren will, wie die Cathwalker, oder dessen ästhetische Seite mitsamt der ultramontanen Ideologie des 19. Jh, allerdings unter Subtraktion des Papstwahns, denn der passt logisch nicht mehr zum Hier und Jetzt, wenigstens soweit ist Herr Krah „aggiorniert“ — es sind beides die Seiten einer und derselben falschen Münze.

Beide wollen mit Falschgeld erkaufen, was selbst mit Echt—Geld nicht zu bezahlen und zu erreichen ist.

Lest doch den Johannesprolog: „Nicht aus dem Willen des Fleisches“, „nicht aus dem Willen des Mannes“ werden die Kinder Gottes geboren, sondern… ja: das müsst ihr selber lesen. Ihr Alte—Messe—Besucher, müsstet es doch wissen, was da steht!

Ob Franziskus davon so weit weg ist?
Benedikt jedenfalls spricht von Franziskus nur gut…
Es ist vielleicht zu früh, den Pontifikat Franziskus zu beurteilen. Und es ist zu früh, den Benedikts zu beurteilen.
Wir sind Kinder einer Umbruchszeit und sollten auf Jesus blicken und ihn fragen, was wir tun sollen. Er hat doch immer Zeugen und Zeuginnen erweckt, oft auch, wenn die Hierarchie nichts mehr bezeugte. Na und?

Er ist doch der Herr, und auf ihn kommt es an, und er erweckt bekanntlich selbst aus Steinen Kinder Abrahams!

Mittwoch, 8. Februar 2017

Neuerscheinung zum Thema "Theologie der Frau"

Was lange währt...


...das lange angekündigte Buch zum Thema "Frau und Kirche" ist endlich erschienen.

Buch kann bei uns direkt versandkostenfrei bestellt werden.

Email: hanna.juengling@zeitschnur.de 

ISBN 978-3-940764-17-1

Seiten: 376

Einband: Softcover

Bindung: fadengeheftet

Auflage:

Preis: 18,00 €  




Beschreibung: 

Papst Franziskus hat 2013 vorgeschlagen, eine „Theologie der Frau“ zu entwickeln. Seine Vorstellungen scheinen sowohl von konservativen Unterordnungs- als auch von progressiven Gleichstellungswünschen abzuweichen. Sie haben Enttäuschung aufseiten derer, die für den Zugang der Frauen zu Weiheämtern plädieren, hervorgerufen, und Misstrauen bei denen, die sich an der Präsenz der Frau in der Kirche mehr oder weniger stoßen und befürchten, Franziskus wolle mit seinem Vorschlag in einem ersten Schritt der Priesterweihe der Frauen Tür und Tor öffnen.
Beide Positionen stellen fruchtlose Extreme in einer Debatte dar, die auf ihre vernünftige und spirituelle Realisierung  noch wartet. Franziskus' Frage lautet: Wo ist der theologische Ort der Frau, und was folgt daraus für ihre Bedeutung in der sichtbaren Kirche?
Die Autorin unternimmt, um eine "Theologie der Frau" zu begründen, einen Gang durch die Heilige Schrift, Texte von  Kirchenvätern und Mystikerinnen und die Kirchengeschichte, der faszinierend, niederschmetternd, verworren und geheimnisvoll ist und zu Antworten führt, die in keines der beiden genannten Hörner tuten, sondern zu einer überraschenden Sicht der Dinge überleiten.


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Kapitelfolge:

Vorrede
1. Das Zeichen der Braut im Paradies
2. Der Raub der Brautkrone - die Erzählungen in Genesis 2 und 3 
3. Kopfbandagen
4. "Mulier non est homo!" - "Die Frau ist kein Mensch!"
5. "Hier streitet Gott!" - Die mystische Leere der "schwachen" Frau
6. Ein System repressiver und projektiver Selbstverachtung
7. Franz von Assisi, die Frauen und der "böse Blick"
8. Das viel zu enge Kleid
9. Die Gewalt des "Erzeugers" und die Verzweckung der bloß passiven "Empfängerin"
10. Kleiner Exkurs in die antike Rechtsgeschichte
11. Entäußerung Entäußerung Entäußerung: Jesus, Maria und Josef
12. Erholungen der Braut und Rückfälle
Fazit